Musik für Menschen mit Behinderungen Details

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Just Fun 2013 auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten Foto: Oscar Neubauer

Der Beginn

Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts kamen Menschen mit Behinderungen in den Blick der Musikpädagogen.
Unter dem Namen „Bochumer Modell“ entstand zunächst ein Modellversuch, dann eine Abteilung in der Musikschule Bochum. Initiator dieses einmaligen Projekts war Werner Probst.
Im Laufe der Jahre haben zahlreiche Musikschulen in Deutschland sich dem Bochumer Beispiel angeschlossen und bieten ebenfalls Musik mit Menschen mit Behinderungen an.

Selbstverständliche Teilhabe

An der Musikschule in Bochum ist es zur Selbstverständlichkeit geworden. Circa 250 Schüler werden wöchentlich in 80 Unterrichtsstunden und zehn Ensemblestunden von 35 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet.
Menschen mit Behinderungen begegnet man in der Musikschulzentrale auf dem Flur, im Cafe Piccolo, auf dem Parkplatz, bei Veranstaltungen innerhalb und außerhalb des Musikschulgebäudes. Sie kommen wie jeder andere Schüler, um Instrumentalunterricht zu nehmen, in die musikalische Früherziehung zu gehen, oder in einem Ensemble/Band mit zuspielen. Eines der vielen Angebote nehmen sie wahr, die ihnen die Musikschule mit der Abteilung des Bochumer Modells anbietet.

Die Schüler mit Behinderung können grundsätzlich jedes an der Musikschule angebotene Instrument erlernen. Dazu kann die Geige genauso gehören wie die Trompete oder das Klavier. Nach einer gewissen Lernzeit ist es meistens möglich, in einem der vielen Spielkreise, Ensembles oder Bands mit zuspielen, was dann ja oft erst so richtig Spaß macht. Auch ein direkter Einstieg in die Ensembles ist durchaus möglich. Das Unterrichtsangebot ist also vielfältig und richtet sich an alle Arten von Behinderungen und an alle Altersstufen.
Die MusikschullehrerInnen arbeiten mit den Förderschwerpunkten motorische Entwicklung, Lernentwicklung, geistige Entwicklung, Sprachentwicklung, Hörentwicklung soziale Entwicklung und psychische Beeinträchtigung. Der Unterricht findet in Zweiergruppen bis Vierergruppen, im Klassenverband oder auch als Einzelunterricht statt.

Weitergebildete Musikpädagoginnen und Musikpädagogen

Die Lehrkräfte im Bochumer Modell sind an Hochschulen ausgebildete Instrumentalpädagoginnen und Instrumentalpädagogen, die zum großen Teil über eine Zusatzausbildung (Instrumentalspiel mit Menschen mit Behinderten an Musikschulen) verfügen oder Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen mit dem Fach Musik. Fast alle Lehrkräfte arbeiten nicht ausschließlich mit Schülerinnen und Schülern mit Behinderung. Die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung führt zu einer Bereicherung und zu einer positiven wechselseitigen Beeinflussung.

Soziale Komponente

Der Unterricht findet hauptsächlich in der Musikschulzentrale und in einigen Außenbezirken, in Förderschulen, in Wohnheimen und Kindergärten statt. Er ist nicht als Therapie gedacht, auch wenn sich zweifelsohne Therapeutisches dabei ereignet. Das Musizieren ist ein Freizeitangebot, das auch neue soziale Kontakte erschließt. Diese soziale Komponente schließt sogar die Eltern mit ein, die sich zum Teil im Café treffen, während ihre Kinder musizieren.

Nicht zu vergessen ist das reichhaltige Angebot an Veranstaltungen, das einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt leistet. Zu nennen sind die zweimal im Jahr stattfindenden Bochumer-Modell-Vorspiele, Auftritte der Ensembles bei Sommerfesten oder Weihnachtsfeiern, Rockfeste, die Klassenvorspiele, die fast immer inklusiv gestaltet sind. Hier haben die Schüler die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen und sich eingebunden zu fühlen in ihrer Gruppe, Band etc. und damit in ihrer Musikschule. Den Stolz und die Freude am Erfolg erleben die Eltern ihrer Kinder in diesen Situationen besonders und teilen diese Emotionen mit ihnen. Gerade sie spüren oft, was diese Auftritte für die Selbststärkung und das Persönlichkeitsempfinden ihres Kindes bedeuten.